Was sagt Meyers Lexikon von 1868 hierzu?
Bacharach, Stadt in der preußischen Rheinprovinz, Regierungsprovinz Koblenz, Kreis St. Goar, links am Rhein, ist eng und düster gebaut, von einer mit hohen Türmen versehenen Mauer umschlossen, hat zwei evangelische Kirchen und eine katholische (die Kirche der im 17. Jahrhundert eingezogenen Jesuiten), eine Synagoge, eine Salzfaktorei, frequente Kram- und Viehmärkte und 1500 Einwohner, welche besonders Weinbau, Schiffahrt, Handel mit Wein und dem in der Nachbarschaft gewonnenen Eisen, Saffian- und Lederfabrikation, Bierbrauerei und Fischerei treiben.
Der hiesige, ins höchste Altertum reichende Weinbau ist sehr bedeutend; die beste Sorte, den bekannten Muskateller liefern die Schloß-, Kühl- und Vogtsberge; dieselbe galt früher für den besten oder für einen der ersten Rheinweine.
Dennoch steht das bacharacher Gewächs dem Rüdesheimer, Hochheimer, Johannisberger und andern Rheinweinen erster Qualität an Feuer und Haltbarkeit weit nach. Im Durchschnitt berechnet man den jährlichen Ertrag zu 20.000 Thalern.
Der frühere Weinhandel war früher stärker als jetzt, wo Bacharach nach Öffnung des Binger Loches im Rhein aufgehört hat, allgemeiner Verladeplatz zu sein.
Unterhalb der Stadt hatte der Fluss im Talwege Felsen und Bänke, einen für die Schiffahrt gefährlichen Strudel, das wilde Gefährt oder Gewirbel genannt, seit 1850 größtenteils durch Sprengung beseitigt.
Nicht weit davon liegt auf einer Insel das alte Schloß, die Pfalz (jetzt nassauisch), ein vieltürmiges altgotisches Gebäude mit einem tiefen Brunnen.
Bei der Stadt wird auch in sehr heißen und trockenen Jahren im Rhein ein Stein sichtbar, der zur Römerzeit eine dem Bacchus geweihte Opferstätte (Ara Bacchi, jetzt Elterstein, Altarstein) gewesen sein und durch seine Erscheinung die Aussicht auf ein gutes Weinjahr eröffnen soll.
Auf dem Felsenberge, an dessen Fuße Bacharach liegt, stehen die Ruinen des alten Schlosses Stahleck, jetzt Eigentum der Königin von Preußen. Der Ursprung Bacharachs fällt wahrscheinlich in die Römerzeit, wie schon die erwähnten Ara Bacchi vermuten lässt. Ganz fabelhaft ist der als Erbauer genannte König Pharamund.
Als Stadt kommt Bacharach zuerst 1368 vor. Es war mit der Burg Stahleck damals bereits Besitz der Pfalzgrafen bei Rhein, die hier öfters residierten und daselbst Goldgulden und sogenannte Räderalbus schlagen ließen. Im 30-jährigen Kriege wurde Bacharach achtmal belagert und geplündert, so 1632 von den Schweden, 1639 von den Truppen Bernhards von Weimar, 1644 von den Franzosen. Auch 1689 sengten und plünderten hier die Franzosen, wobei nicht nur die Burg sondern auch die schöne Wernerskirche in Ruinen gelegt wurden.
Der einträgliche Rheinzoll, welcher unterhalb Bacharachs seit alter Zeit entrichtet werden musste, war anfangs kaiserlich, zuletzt kurpfälzisch. Unter der kurpfälzische Herrschaft war die Stadt Hauptort eines Oberamtes mit 14 Ortschaften und Höfen, von 1797 bis 1815 Hauptort eines französischen, zum Departement des Rheins und der Mosel gehörigen Kantons mit 4 Bürgermeistern und 14 Gemeinden.
Geschichtlich merkwürdig* sind hier noch die hier stattgefundenen Übergänge der Preußen über den Rhein den 26. März 1793 und unter Blücher den 1. Januar 11814.

*merkwürdig im Sinne "des Merkens würdig! "

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